Gemeinde(er)leben


© "Regenbogen! - ein Foto aus dem Heft "RPI Impulse 2/19 zum Thema Schöpfung

Liebe Menschen! 

Es ist Ostern geworden, aber in diesem Jahr ist alles anders. Familien können nicht zusammen feiern, für die Osterferien geplante Reisen entfallen und in den Kirchen werden keine Gottesdienste gefeiert. Ein Virus namens Corona versetzt die Menschen auf der ganzen Welt in Angst und Schrecken. Seine Macht ist beängstigend – Bilder von Leid und Tod sind allgegenwärtig. Und wir haben (wieder einmal) erfahren, wie zerbrechlich alles ist – unser Alltag, unsere Pläne, unser Wirtschafts- und Gesundheitssystem, unser aller Leben. 

Nein, unbeschwert kommt das Osterfest in diesem Jahr 2020 weiß Gott nicht daher. Manche Politiker sprechen ja sogar von einem Krieg, in dem wir uns befinden. Da kann einem das fröhliche Eiersuchen schon mal schal vorkommen. Aber Gott sei Dank ist Ostern weit mehr als das! Ja, vielleicht war die Besinnung auf den Kern der christlichen Osterbotschaft nie wichtiger als in diesem so besonderen Jahr. Und weil wir Sie Ihnen dieses Mal leider nicht in der Kirche nahebringen können, bringen wir sie Ihnen ins Haus. Lesen Sie sie, für sich und für andere Menschen in Ihrem Haus, lassen Sie die Geschichte in Ruhe auf sich wirken und finden Sie mit Gottes Hilfe Kraft in diesen Worten, die vom Leben erzählen.

Das Osterevangelium nach dem Matthäusevangelium (Kapitel 28,1-10) 

Der Sabbat war vorüber. Da kamen ganz früh am ersten Wochentag Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. … Plötzlich gab es ein heftiges Erdbeben, denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab. Er ging zum Grab, rollte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz und seine Kleider waren weiß wie Schnee. Die Wachen zitterten vor Angst und fielen wie tot zu Boden. Der Engel sagte zu den Frauen:
»Habt keine Angst! Ich weiß: Ihr sucht Jesus, der gekreuzigt wurde. Jesus ist nicht hier. Gott hat ihn vom Tod auferweckt, wie er es vorausgesagt hat. Kommt her und seht: Hier ist die Stelle, wo er gelegen hat. Und jetzt geht schnell zu seinen Jüngern! Sagt ihnen: ›Jesus wurde vom Tod auferweckt.‹ … Er geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen… Ich habe es euch gesagt.«
Die Frauen waren erschrocken und doch voller Freude. Schnell liefen sie vom Grab weg, um den Jüngern alles zu berichten. … Da stand Jesus vor ihnen und sagte: »Seid gegrüßt!« Sie gingen zu ihm, berührten seine Füße und warfen sich vor ihm zu Boden. Da sagte Jesus zu ihnen:
»Habt keine Angst! Geht und sagt meinen Brüdern: ›Macht euch auf nach Galiläa. Dort werdet ihr mich sehen.‹«

Haben Sie es bemerkt? „Habt keine Angst!“ – gleich zwei Mal bekommen wir das im Osterevangelium zu hören. Es ist Jesu erste und vielleicht wichtigste Botschaft für uns Menschen nach seiner Auferstehung. Dieser kleine Satz durchzieht aber nicht nur die staunenswerte Geschichte von Ostern, sondern in Varianten letztlich die ganze Bibel wie ein roter Faden. Warum sagt Gott das so oft? Nun, er weiß anscheinend, wie schnell die Angst nach uns greift und Herr über unser Leben werden will. „In der Welt habt ihr Angst,“ sagt Jesus darum auch ganz realistisch (Johannes 16,33). Allerdings fügt er gleich im nächsten Satz dazu: „Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

Wie kann Jesus das sagen – worin hat er Halt und Trost gefunden, er der so unvorstellbar viel mitgemacht und erlitten hat? Und wo sollen wir ihn finden, angesichts der zahlreichen Unwägbarkeiten unseres Lebens, von denen Corona ja nur die gerade aktuellste ist. Die Bibel nennt mehrere gute Gründe, warum wir der Angst mit einem „Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2 Timotheus 1,7) begegnen können. Einen davon möchte ich Ihnen heute besonders ans Herz legen. Es ist – der Regenbogen!

Seit Beginn der Corona-Krise hängen in vielen Fenstern Bilder von selbstgemalten Regenbogen als ein Zeichen von Kindern an Kinder. Der Regenbogen ist das Signal: Auch hier wohnt ein Kind, das zu Hause bleiben muss. Viele schreiben noch eine Nachricht dazu wie „Alles wird gut!“ oder „Du bist nicht alleine!“ Und was haben sie so recht, die Kinder! Denn der Regenbogen – das ist ja mitnichten ein Corona-Symbol! Der Regenbogen ist seit der Geschichte von der Arche-Noah vor allem eins – ein Hoffnungszeichen!  Gott malt ihn an den Himmel, weil er den Menschen nach der Sintflut ein großes Versprechen gibt: Nie wieder wird er versuchen, das Leben auf der Erde zu vernichten! Nie wieder wird er Menschen mit Vernichtung strafen!  (vgl. 1 Mose 9,8-17) Gott schickt weder Sintflut noch Corona-Virus, um die Menschheit für ihre Untaten abzustrafen und zur Besinnung zu bringen. Sondern ganz im Gegenteil: Gott gibt den Menschen mit dem Regenbogen sein Versprechen: Ich bin für euch da! Ich bin bei euch, komme was da wolle! Bis ans Ende der Welt und darüber hinaus! Wir dürfen nur nicht den Kopf hängen lassen, angesichts der ganzen Schwierigkeiten und Probleme, die sich vor uns auftun, sondern sollten unser Haupt erheben und in den Himmel sehen. Denn, wie schon Charlie Chaplin einst feststellte: „Schau hoch zum Himmel! Wenn du zum Boden blickst, wirst du nie einen Regenbogen finden!“ 

Wenn ich mich auf Erden schon am Himmel orientiere und dieses tiefe Vertrauen in Gott setzen kann, dass er stärker und mächtiger ist als meine Angst – dann sind meine Ängste und Sorgen endlich nicht mehr der Mittelpunkt in meinem Leben, um den sich alles dreht und wendet! Glaube, Hoffnung und Liebe können die Oberhand gewinnen. Menschen können einander beistehen, es gemeinsam mit den größten Widrigkeiten aufnehmen und das Gute in der Welt hochhalten. Und ich kann – wie die Frauen am Ostermorgen – in allem Erschrecken plötzlich wieder die Freude spüren. 

Diese Freude, die eine wahre Osterfreude ist, weil nicht einmal der Tod sie zum Verstummen bringen kann, die möchten Ihnen die Kinder unserer Kita und unseres Kindergottesdienstes an diesem Osterfest ins Haus tragen. In vielfältigsten Formen haben sie Regenbogen für Sie gestaltet, um Sie wissen zu lassen: „Hab keine Angst! Du bist nicht allein!“

© Michaela Klubberg, stellvertretend für die vielen fleißigen Basterler*innen

Wir alle gemeinsam wünschen Ihnen von ganzem Herzen allen äußeren Umständen zum Trotz ein frohes und gesegnetes Osterfest. Bleiben Sie behütet!
Im Namen der Ev. Kirchengemeinde Klingelbach

Pfarrerin Dr. Anneke Peereboom

Gebet an Ostern 

Das Grab ist leer. Du bist nicht mehr zu fassen.
Du könntest überall zu finden sein:
Im Himmel über uns auf unseren Straßen,
in Häusern, Kirchen, Nacht und Sonnenschein.

Es ist als ob aus dieser großen Leere
des Morgens damals sich die Welt verwandelt,
unaufgeregt und still und ohne Schwere,
weil niemals mehr der Tod am Ende handelt. 

Seit jenem Anfang fließt der Himmel in die Welt
Und füllt die Finsternisse aller Zeiten auf.
So wird die dunkle Ordnung einfach umgestellt,
und aus dem letzten Gang entsteht ein Lebenslauf.

Es steht noch aus, was damals wirklich war,
noch haben wir das alles nicht verstanden.
Doch rede, Gott, und mach die Dinge selber klar
In uns und allen, die dich jemals fanden.

Verwandle, was sich an sich selbst verliert,
und öffne, die sich selbst verschlossen haben,
gib, dass das Leben wieder deine Nähe spürt,
die Kraft und all die Schönheit deiner Gaben.

Amen

 

Wir danken allen Menschen aus der Evangelischen Gemeinschaft Katzenelnbogen und der Evangelischen Kirchengemeinde Klingelbach, die in diesem Jahr gemeinsam bei der Gestaltung der Osterwoche mitgewirkt und geholfen haben:

Jonas, Lukas und Stefan Bingel
Lars Denninghoff
Inge Dornseifer
Max Fischer
Werner Grossheim
Kinder der "Grundschule im Einrich"
Jürgen Hoder
Kinder aus dem "Kigo Klingelbach" mit ihren Familien
Kinder aus der "Kita Garten für Kinder" in Katzenelnbogen
Uli Landes
Mariesophie und Andreas Magnusson
Wolfgang Müller
Dirk Othegraven
Anneke Peereboom
Lena und Anna Popp
Melanie Reichert-Vermeulen
Carolin Richter
Gerd Romeike
Benjamin Römer
Rita Rübsamen-Dietrich
Gabi Schmidt
Marianne Schröter
Usch Vermeulen
Roswitha Vollmer
Jonas Völzke
Uwe Weiland










 

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