Gemeinde(er)leben

Der Karfreitagsgottesdienst unserer Kirchengemeinde wurde ausgezeichnet

Die Berliner Kultur-Kirche St. Matthäus und die evangelische Kirchengemeinde in Klingelbach erhalten den mit 2.500 € dotierten Gottesdienstpreis der Stiftung zur Förderung des Gottesdienstes. In diesem Jahr fiel der Jury die Entscheidung für den Gottesdienstpreis besonders schwer. Sie entschied sich deshalb, den Preis erneut zu teilen und zwei Gottesdienste auszuzeichnen.

In der Berliner Kultur-Kirche St. Matthäus wird seit Jahren mit dem Gottesdienstformat LABORa in enger Kooperation mit der örtlichen Künstlerszene und dem EKD-Zentrum für Gottesdienst- und Predigtkultur (Wittenberg) experimentiert. Beim ausgezeichneten Karfreitagsgottesdienst entfalteten die Lesungen aus der Passionsgeschichte in Verbindung mit musikalischen Impulsen und Ausdruckstanz eine ungeheure Dynamik. Neben den Lesungen der Leidensgeschichte Jesu wurden Texte aus Friedrich Nietzsches „Der tolle Mensch“ gelesen. Der verzweifelte Ruf Jesu „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ bekam eine neue Wendung: „Warum haben wir dich verlassen, Gott?“ wurde in der Eingangsliturgie und in der Predigt von Hannes Langbein gefragt. „Insgesamt ein Gottesdienst wie ein Kunstwerk“, fasst einer der Juroren seinen Eindruck zusammen.

Mit ganz anderen Mitteln ist es in der zur Evangelischen Kirche in Klingelbach gelungen, die Passionsgeschichte zu inszenieren. Das Gesamtkonzept zur Kar- und Osterwoche stammt von Dr. Anneke Peereboom, die Texte und die Auswahl der Lesungen und deren Unterbrechung wurden im Jahr 2019 von Mariesophie Magnusson gehalten. Wie so oft waren in der gesamten Kar- und Osterwoche und auch bei diesem Gottesdienst, eine große Anzahl ehrenamtlicher Helfer*innen beteiligt, wenn man so will also ein echtes Gemeinschaftswerk. Zu den Stärken Karfreitagsgottesdienstes zählte nach den Worten eines Jurymitglieds die durchdachte Verbindung aller Gottesdienste von Gründonnerstag bis Ostersonntag: „Das Abendmahlsgeschirr vom Gründonnerstag steht noch auf dem Altar, der an Karfreitag komplett leergeräumt und schwarz zugedeckt wird. Am Ostersonntag wird so der Neuanfang der Auferstehung Jesu sichtbar.“ Auch der Aufbau dieses ist Gottesdienstes bemerkenswert. Einem eher klassischen ersten Teil mit Schriftlesung, Credo, Bildpredigt (Argonauten von Anselm Kiefer) und Fürbitten folgt im zweiten Teil die durch Gesang und Inszenierung des Altarabräumens bewusst unterbrochene Passionsgeschichte. Die Gemeinde folgt Jesus auf seinem Gang bis ans Kreuz. Am Ende verlässt sie die Kirche in vollkommener Stille. Nicht einmal der Segen löst die so entstandene Spannung auf.

Die mit dem Gottesdienstpreis 2020 ausgezeichneten Karfreitagsgottesdienste wurden in den Jahren 2018 und 2019 begangen, entstammen also noch einer Zeit vor Corona. Dennoch wirkt das Gedenken an Jesu Kreuzigung in dieser Zeit hochaktuell. Seine Erfahrung der Gottverlassenheit bekommt im Angesicht des einsamen Sterbens in Krankenhäusern und Pflegeheimen einen geradezu tröstlichen Akzent.
Auf der Homepage der Stiftung (www.gottesdienststiftung.de) und natürlich auch bei uns auf der Homepage, sind die preisgekrönten Gottesdienste dokumentiert. 

Mitglieder der Jury sind:
Christiane Berthold-Scholz, Hofgeismar
Beate Besser, Landeskirchenmusikdirektorin, Oldenburg
Heidrun Dörken, Evangelische Senderbeauftragte für den Hessischen Rundfunk, Frankfurt/ Main
Prof. Dr. Holger Eschmann, Theologische Hochschule Reutlingen
Prof. Dr. Ansgar Franz, Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft und Homiletik, Mainz
Prof. Dr. Lutz Friedrichs, Direktor des Ev. Studienseminars Hofgeismar
Dr. Stephan Goldschmidt, Vorsitzender der Stiftung zur Förderung des Gottesdienstes, Hannover
Lars Hillebold, Referent für Gottesdienst, Kassel
Thomas Hof, Theaterpädagoge, Kassel
Dr. Andreas Leipold, Gefängnisseelsorger, Bad Hersfeld
Lea-Katharina Müller, Theologiestudentin, Göttingen
Jörg Persch, Verlagsgeschäftsführer, Paderborn
Kathrin Oxen, Pfarrerin der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Berlin
Prof. Dr. Marcel Saß, Lehrstuhl für Religionspädagogik, Marburg
Arnd Schomerus, Kirchentagspastor, Fulda
Prof. Dr. Martin Schreiner, Vizepräsident, Institut für Theologie, Hildesheim
Prof. Dr. Ulrike Wagner-Rau, Lehrstuhl für Praktische Theologie, Marburg
Burkhard Weitz, Chrismon-Redakteur, Frankfurt
Helmut Wöllenstein, Propst des Sprengels Waldeck und Marburg

Bitte wenden Sie sich bei Rückfragen an den Vorsitzenden der Stiftung, Dr. Stephan Goldschmidt: Tel: 0172-6575346 oder Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Kassel, im Mai 2020

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