Krippe

Gottes Sehnsucht: der Mensch – für mich: ein Fest der Hoffnung

Wie kein anderes Fest im Kirchenjahr spricht Weihnachten unser Herz an. So ist denn auch das stimmungsvolle Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ für viele zum Inbegriff für dieses Fest, ja fast zum Synonym für Weihnachten geworden. Seine leise Sprache und seine schlichten Bilder öffnen unser Herz und lassen die verborgenen Erwartungen und stillen Hoffnungen in uns wach werden. All dem dürfen wir Raum geben. Auch hier an der Klingelbacher Krippe zusammen mit vielen Unterstützern. Und das Krippeln lässt uns ahnen, dass hinter allem eine tiefe Wirklichkeit steht, dass es einen Mehrwert des Lebens gibt, eine bessere Welt, als wir sie Tag für Tag um uns erleben.

Wir brauchen gar nicht an Aleppo und Syrien, an Äthiopien, Eritrea oder an Afghanistan zu denken. Es reicht, wenn wir uns die Schicksale hier bei uns in unserem eigenen Land anschauen, in Gerichtsprozessen, in den politischen Diskursen oder aktuell die schnöde Tat auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin. Mehr denn je haben wir Sehnsucht nach dem Boten, der Frieden ankündigt und Rettung verheißt. Frieden und Rettung von einem anderen, weil wir selbst diese nicht zu schaffen vermögen.

Gloria in Excelsis Deo - Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden - so der Engel über unserer Krippe. Heute aber klingt das noch fremder und noch hoffnungsvoller als in den Jahren zuvor. Ein anderer Advent, eine andere Weihnacht ?

Wir packen unseren Stern wieder aus, um „es zu packen“. ...Christ, der Retter ist da ... in der stillen Nacht ... und stets brennend und hoffend ... auch in Kos und überall.

Im Advent, die Gedanken werden konzentrierter, es geht schon wieder auf Weihnachten zu. Vor einem Jahr das erwartungsvolle Willkommen an die noch unbekannte Pfarrerin und ihre Familie. In diesem Jahr eine weitverbreitete Willkommenskultur an die große Schar der lebensbedrohten Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten, unweit dort, wo der Stern über Bethlehem uns den Weg zeigt - in diesen Tagen überdeutlich. Und zu dem Geschehen in der uns wohltuenden Herberge mit dem Kind als Erlöser dieser Welt kommen Bilder, die man anlässlich der realen Welt im Herzen schwer aushält.

Menschen von dort sind aus Angst um ihr nacktes Leben zuhauf aufgebrochen und suchen „ihre Verheißung“, sie suchen ihr Bethlehem, ihr Haus des Brotes, ihre schützende Herberge - schon seit Jahren und immer noch, offenbar nichts Neues in unserer infamen Welt dieser Tage.

Herberge und Frieden auf Erden, aber wo bitte ... unter kosmischen Rendezvous - 2014 - O, du gnadenreiche Zeit!

Wo ist das wahre Ziel ... im Stall bei der der Heiligen Familie, die aber schon bald nach der Geburt Jesu in ein anderes Land flüchten mussten, ... so, wie Millionen heute. Anklopfen, wie zwei arme Leut‘, die abgewiesen werden in die Kälte der Welt, dorthin, wo man zu anderen Sternen unterwegs ist. Knapp am Mars vorbei, gelandet auf einem Kometennebel - nicht auf dem Stern von Bethlehem, wo noch immer Gewalt herrscht. Vielmehr hat uns Gott einmal mehr mit den Augen von Astronaut Gerst in der Raumstation gezeigt, wie man in kosmischen Dimensionen den „zerbrechlichen“ Frieden auf Erden ahnen könnte. Jeder fünfte in Deutschland ist angeblich von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen, weil Geld, Auto oder Heizung fehlt; und noch schlimmer jenseits der sogenannten Sozialstandards, wo viele tausend Flüchtlinge mit ihrem Schicksal um Herberge kämpfen. - Beim harmlosen Krippenbauen haben wir allerdings dazu einen Grundinstinkt stets empfinden können, dass nämlich ein leerer Stall, eine leere Krippe für alle eine hoffnungslose, eine leblose Szenerie ist ohne das Gefühl und Geschenk eines fröhlich springenden Herzens, weil der Nächste auch eine Lebensperspektive hat. Vielleicht muss man das Krippenbauen neu lernen in dieser Zeit des Anklopfens mit der einzigen Sehnsucht: Lasst uns und unsere Kinder als Menschen leben! „Nach Hause kommen, das ist es, was das Kind von Bethlehem allen schenken will, die weinen, wachen und wandern auf dieser Erde." (Friedrich von Bodelschwingh) Das Werk von Weihnachten beginnt erst dann, wenn der Gesang der Engel verstummt, wenn der Stern am Himmel untergegangen ist, wenn die Könige heimgekehrt und die Hirten mit ihrer Herde fortgezogen sind. Dann gilt es im Alltag die Verlorenen finden, die Zerbrochenen heilen, den Flüchtlingen eine würdige Bleibe geben, die Unterdrückten aufrichten und den Menschen Frieden bringen. Auch unseren Wunschzettel haben wir an der Weihnachtskrippe ausgelegt mit der frohen Botschaft aus Klingelbach an unsere neue Pfarrvikarin: Herzlich Willkommen Frau Dr. Anneke Peereboom. Ihr Kommen nährt unsere Seelen und bringt Gott zum Lachen ... über alle Pläne. Auch für sie, noch in der Ferne, immer ein Lichtlein mehr durch die dunklen Stunden ... von Dirk Othegraven ... all überall in Krippe und Kirche bereit, leuchtet so langsam in die Weihnachtszeit. Schenke mit Geist ohne List, sei eingedenk, dass dein Geschenk du selber bist (Joachim Ringelnatz). Liebe Brigitte Winkenbach, Du hast unsere schönen Bilder und Texte mit großer Hingabe nun endlich an das Licht der Welt gebracht. Wir und die Welt sagen Dir dafür von Herzen Danke. Die Krippe wünscht allen eine gesegnete Weihnachtszeit.

Klingelbach, 21. Dezember 2014
Wolfgang Müller