Gloria in Excelsis Deo - Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden - so der Engel über unserer Krippe. Heute aber klingt das noch fremder und noch hoffnungsvoller als in den Jahren zuvor. Ein anderer Advent, eine andere Weihnacht ?

Wir packen unseren Stern wieder aus, um „es zu packen“. ...Christ, der Retter ist da ... in der stillen Nacht ... und stets brennend und hoffend ... auch in Kos und überall.

Im Advent, die Gedanken werden konzentrierter, es geht schon wieder auf Weihnachten zu. Vor einem Jahr das erwartungsvolle Willkommen an die noch unbekannte Pfarrerin und ihre Familie. In diesem Jahr eine weitverbreitete Willkommenskultur an die große Schar der lebensbedrohten Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten, unweit dort, wo der Stern über Bethlehem uns den Weg zeigt - in diesen Tagen überdeutlich. Und zu dem Geschehen in der uns wohltuenden Herberge mit dem Kind als Erlöser dieser Welt kommen Bilder, die man anlässlich der realen Welt im Herzen schwer aushält.

Menschen von dort sind aus Angst um ihr nacktes Leben zuhauf aufgebrochen und suchen „ihre Verheißung“, sie suchen ihr Bethlehem, ihr Haus des Brotes, ihre schützende Herberge - schon seit Jahren und immer noch, offenbar nichts Neues in unserer infamen Welt dieser Tage.

Unerträgliche innere Bilder im Kopf beim Krippe-Bauen. Von dem leblosen Körper des „eingeschlafenen“ Aylan Kurdi (3) aus Syrien, von Barbaren in den Tod getrieben, angespült in den Wellen der Ägäis. Oder Zainab (4) und Hussain (6) vor der griechischen Insel Kos leblos vom Vater aus dem Wasser gezogen. Ertrunken inmitten einer Welt, in der die menschliche Liebe des Nächsten dies verhindert! Gleichsam dort wahrzunehmen, wo zur vermeintlichen Rettung unser aller Wohlfahrt, hunderte Milliarden „geflutet“ werden für die Welt des Konsums und der Finanzen. Alles börsentäglich registriert, bis auf die bedrohten Menschen, klein und groß, schwanger, krank und gebrechlich, traumatisiert, voller Lebenszuversicht auf ihren Routen der Hoffnung quer durch das „Homeland Europa“ mit zwölf goldenen Sternen in seinem Banner.

Stern über Bethlehem ... Sterne über Europa! Und doch heimatlos?

Dennoch packen wir als Christen wieder aus, unseren Stern und unsere Krippe der Hoffnung! Für den Frieden auf Erden. Er braucht Gottes Liebe und unsere Tatkraft, Hand in Hand.

So trafen sich zum diesjährigen Krippe-Transport aus der Scheune in die Kirche die verschworenen Helfer Dirk, Norbert, Raimund, Emanuel, Yannick und Andreas mit dem starken Stapler, und zur Freude aller... auch Leon von den Konfis. Zuerst galt es ein paar Zentner schwere „Stücke“ ganz behutsam auf die Bretter der Weihnachtswelt zu hieven und dann eine Vielzahl von Kisten und Kartons mit weiteren kostbaren Materialien umzuziehen.

Ergänzende Naturprodukte lagen schon seit wenigen Wochen oder Tagen bereit - auch die geologische Modelliermasse für ein geändertes Wüstenbild in unserem Morgenland. Und dann ging es im achten Jahr wieder los, in vertrauter Kulisse zwar, aber mit anderen Inspirationen zu diesem Thema, auch ermutigt und gestärkt durch die „freudige Erwartung“ all unsrer Freunde und Besucher in Klingelbach vor Ort oder im www.kirche-klingelbach.de. Und am Anfang schufen wir eine neue Wüste mit Sand, vor allem mit Steinen und Felsen - so wie in den „echten“ Wüsten der heimatlosen Aramäer - zu Zeiten von Jakob und Abraham.

Geboren wurde diese Idee auf unserem letzten Gemeindeausflug 2014 in den Stöffel-Park. Hier kamen die über Jahrtausende alten Flussläufe entlang des Toten Meeres in den Sinn, grüne Täler und Schluchten; als „Wadi“ bezeichnet gibt es viele dieser tektonischen Formationen im Jordantal, von Galiläa bis nach Judäa; in den Fußstapfen Abrahams lässt sich dort unsere biblische Zeit mit seiner einmaligen Religionsgeschichte durchqueren.

Und dazu ergänzend aus unserer Region, aber ein paar Millionen Jahre früher unter dem Westerwälder Stöffel-Basalt, die Erdgeschichte im blättrigen Gestein aus dem Tertiär. Mit der Krippe 2015 blättern wir also in zwei sich ergänzenden „Büchern über die Ewigkeit“ und erkennen, wie sich seit dem Urknall der Schöpfergeist weiter entwickelt hat. Die Spezies Mensch, die heute einmal mehr ertrinkt, und der Naturraum, der von uns geplündert und abgebaut wird.

Ehrfürchtig und mit tiefempfundenen Tränen meinte der Astronaut Alexander Gerst bei seinen Blicken aus dem Orbit: „Unsere Welt, umhüllt von einem dünnen Band aus fast Nichts, und doch Quelle unseres Lebens“. Das dünne Band der biblischen Hoffnung „Friede auf Erden“ vibriert als schöpferische Sehnsucht um unsere Welt - seither und jetzt an Weihnachten 2015.

Wir danken an dieser Stelle dem Stöffel-Team für ein paar Restkrümel aus der weltweit bedeutenden Ausgrabungsstätte. Sollten wir noch Fossilien aus dieser Fuge der Erdgeschichte in unseren Steinen finden, so sind sie gut beherbergt.

7. Dezember 2015
Wolfgang Müller