Die Kirche in Klingelbach, 1772-74 mit Unterstützung des Patronatsherren des Klosters Bleidenstadt erbaut, steht auf der Stelle einer kleineren, frühmittelalterlichen Kirche. Der älteste Hinweis auf eine Orgel in dieser alten Klingelbacher Kirche ist die Klage über das kleine, zu enge und baufällige Gotteshaus und die Bitte an das Stift zu einem Kirchenneubau. Dabei wird auf gehabte, außergewöhnliche Kosten hingewiesen und unter anderem der Einbau eines Orgelstandes im Jahre 1696 erwähnt. Beim Abbruch der alten Kirche verschwand auch die Orgel. Zwei Handwerkern wurde erlaubt, sämtliche Metallpfeifen, die Bälge und Laden an sich zu nehmen. Nur das Gehäuse verblieb der Kirchengemeinde. Über seinen Verbleib ist nichts bekannt.

Die neue Kirchenorgel in Klingelbach hat in ihrer zweihundertdreißigjährigen Geschichte manche Umgestaltung erfahren müssen. Der Bad Emser Orgelbauer Johann W. Schöler erbaute sie mit seinem Sohn Christian Ernst in den Jahren 1790 bis 1792. Die Klingelbacher Orgel ist das größte Werk südlich der Lahn. Da die Urkunden über die Vertragsmodalitäten und die Orgelabnahme mit Rechnungs- und Kirchenbüchern in den Revolutionskriegen verloren gingen, als Soldaten im Klingelbacher Pfarrhaus alles, was nicht niet- und nagelfest war, als Brennmaterial für ihr Lagerfeuer benutzten, sind wir bei der Rekonstruktion des ursprünglichen Dispositionsplanes auf die Bestandsaufnahme des Orgelbauers Voigt aus Igstadt angewiesen und auf die zum größten Teil noch lesbaren Schölerschen Inschriften auf den Pfeifenstöcken, die bei einigen Registern nicht mit der Voigtschen Version übereinstimmen.

Danach lautete die Disposition:
Hauptwerk C - f 3  54 Tasten

1. Prinzipal 8‘ 9. Superoktave 2‘
2. Bordun 16‘ 10. Terz 1 3/5‘
3. Viola di Gambe 8‘ 11. Mixtur 3f
4. Flöt travers 8‘ 12. Cymbel 2f
5. Gedackt 8‘ 13. Trompete 8’ Bass
6. Oktave 4‘ 14. Trompete 8’ Diskant
7. Kleingedeckt 4‘ 15. Vox humana Bass
8. Quinte 2 2/3‘ 16. Vox humana 8’ Diskant

Pedal

17. Subbass 16‘ 19. Choralbass 4‘
18. Oktavbass 8‘ 20. Posaune 16‘

Pedalcoppel Unterwerk (Voigt 1885)

Hohlflöte 8` Flauto travers 4`
Geigenprincipal 4 Octave 2`

Voigt hat 1885 die Klingelbacher Orgel um ein zweites Manual als Unterwerk auf mechanischer Kegellade erweitert und schwerwiegende Eingriffe in das gesamte Werk vorgenommen, wobei der historische Bestand in starkem Maße angetastet wurde. Er entfernte und veränderte Register; der Pedalumfang, erst nur bis f reichend, wurde bis c‘ erweitert und der Spieltisch entsprechend umgebaut.
1917 mussten die Prospektpfeifen und die Trompete als Materialspende abgegeben werden. Die heute im Prospekt stehenden Zinkpfeifen des Prinzipal 8‘ hat der Koblenzer Orgelbauer H. Schlosser 1923 eingesetzt und mit Silberbronze gestrichen. Er baute auch 1928 ein neues Trompetenregister ein. Erhalten sind zwei originale Keilbälge und Magazinbalg von 1885. Die Stimmtonhöhe ist ein Halbton höher als 440Hz.


Nach dem zweiten Weltkrieg wurden durch Orgelbauer Wagenbach, Limburg, Veränderungen im Hauptwerk, im Unterwerk und im Pedal vorgenommen. Verschleiß, Holzwurm und die inzwischen eingebaute Warmluftheizung machten 1972 eine umfangreiche Reparatur und gleichzeitige Restaurierung des alten Schölerschen Werkes notwendig. Dabei wurde der Originalbestand des Hauptwerkes und des Pedals wiederhergestellt. Den Auftrag erhielt die Orgelbaufirma Förster & Nicolaus, Lich, die bis heute auch die regelmäßige Wartung und Stimmung der Orgel durchführt. Stimmungsvoller Höhepunkt war wohl ihr Erklingen bei den “Internationalen Orgelfestwochen 2007” unter den virtuosen Fingern von Orgelprofessor Jaques van Oortmerssen aus Amsterdam. Ihre Geschichte und ihre klangvollen Eigenheiten kannte kein anderer besser als unser geschätzter Organist und Chronist Manfred Keiling, der ihr in der “Einricher Orgelchronik” 1972 ein Denkmal setzte. Für das Jahr 2009 war wiederum eine große Reinigung und Renovierung der Orgel dringend notwendig.